Bist Du soweit? 
5 Schritte, sich nach einer Stressphase zu erholen - Chantal Perrinjaquet

Gerade bei uns Frauen beobachte ich, wie wir in harten Zeiten unglaubliche Kräfte mobilisieren können. Womit das zu tun hat, darüber könnte man einen eigenen Blogbeitrag schreiben.

Der meist unbewusste Drang, Gutes zu tun, anderen zu gefallen und im Namen der Harmonie lieber „alles“ selbst zu machen, als auf die Vollendung der delegierten Aufgaben zu bestehen, verstärken die Notwendigkeit, diese Kräfte zu mobilisieren.

Schließlich hat es letztes Mal ja auch gut geklappt – dann wird es jetzt wieder gehen, nicht wahr?

 

 

Fakt ist, dass das Risiko, in einen Teufelskreis der Überaktivität zu kommen, sehr hoch ist. Zu hoch, würde ich meinen. Egal wo ich hinschaue und hinhöre, ich sehe und beobachte Folgendes:

  • Das Hetzen von einem Termin zum anderen: egal ob im Business (interne und externe Termine) oder für die Familie (Bringen und Abholen der Kinder zu Sport-, Musikunterricht und Freunden etc.).
  • Empfangen und Betreuen von Besuch (gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit): Es braucht Zeit für die Vorbereitung, Zeit für die Besucher und danach für das Aufräumen.
  • Selbstverständlich muss der Haushalt perfekt sein – nichts darf rumliegen und die Weihnachtsguetsli müssen auch selbst gebacken sein. Ein Herumgeflitze, dies und das und dort auch noch!
  • Die Kinder verlangen natürlich auch ihre Aufmerksamkeit (Hausaufgaben, kleine und größere Sorgen und manchmal einfach kuscheln). Ungeduld und barsche Antworten nehmen den Platz ein.
  • Auch die Haustiere müssen versorgt sein (Gassi gehen, Schlafplatz säubern, zu Fressen geben), es wird in Eile erledigt.
  • Nicht auszudenken, wenn jemand in diesem Umfeld krank ist! Egal ob die Kinder, der Partner, der Besuch oder die Haustiere: Es sind zusätzliche Aufgaben, die wir ungefragt und selbstverständlich übernehmen.

(Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit …)

 

Je nachdem, ob es sich nun um eine Frau handelt, die vollamtlich das Hausmanagement innehat oder die in Teilzeit noch im Arbeitsprozess steht (angestellt oder im eigenen Business) oder ob diese Frau keine Familie hat und dafür voll im Arbeitsprozess steht (angestellt oder im eigenen Business), stellt sich die Zusammensetzung der obigen Aufzählung in ihrer Gewichtung und den einzelnen Punkten unterschiedlich dar.

Das Resultat ist jedoch dasselbe: Wir bugsieren uns in eine tiefe Erschöpfung hinein und staunen dann noch, dass wir uns mithilfe von „einfachen“ Dingen nicht mehr erholen.

Ist es das wert?

 

Und die Frage ist: Was ist danach? Wie geht es uns, wenn die Stressphase vorüber ist?

Je tiefer wir im Teufelskreis drinstecken, umso schwieriger wird es für uns, danach aufzutanken.

Kennst Du das auch? Kaum ist der Besuch draußen, kaum sind die Feiertage vorbei oder worum es auch immer ging: Du kommst einfach nicht zur Ruhe? Wenn Du Dich hinsetzt, bei einem Vollbad ein paar Takte runterfahren willst oder Dich in der Massage entspannen möchtest:

DANN GEHT ES NICHT?

Bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich in meiner neuen Community „Bewusst bei mir“ auf Facebook nachgefragt, wer das kennt. Obwohl es sich um ein sehr persönliches Thema handelt, habe ich doch ein bestätigendes Echo gekriegt.

  • Ein plagendes, inneres Kribbeln hält an.
  • Ein hoher Puls oder gar Herzrasen wird beobachtet.
  • Der Atem wird oberflächlich und schnell.
  • Im Kopf drehen sich scheinbar tausend Dinge: entweder weitere To-do’s oder ein Chaos von Millionen Gedanken.
  • Nachts kann man nicht schlafen. Das zeigt sich in diversen Formen.
  • Oder es ist da eine Leere. Eine Art Unfähigkeit, ein Fazit über die vergangene harte Phase zu ziehen und eine innere Standortbestimmung zu machen.
  • Definitiv ist man nicht in der Lage, sich auszuruhen.

Die Folge ist leider meistens, dass man den Teufelskreis unbewusst wieder nährt.  

Die Versuchung kommt entweder mit einer weiteren Forderung von außen, der wir nachgeben (ein Mitarbeiter oder ein Kind hat ein Problem, das scheinbar nur wir lösen können), oder wir setzen uns von alleine an ein nächstes „Projekt“.

Wir vergessen, dass wir nicht geruht und aufgetankt haben.

Leider funktioniert es nach einer übermäßigen Akut-Phase nicht, sich von 100 auf 0 in die Ruhe zu bringen. Weder sich hinzulegen, still dazusitzen, ein Vollbad zu nehmen noch zu meditieren wird Dir gelingen. Und das ist völlig „normal“ – es liegt in der Natur der Sache.

Diese Dinge sind zwar sehr wertvoll, wenn man sich nicht in einem Teufelskreis befindet. Wenn man ein ausgeglichenes Leben lebt, das im Alltag breitgefächert dafür sorgt, dass stressige Zeiten auffangbar sind (wie man ein solch ausgeglichenes Leben mit einem übergeordneten Plan*) aufgleist, ist Thema in meinem nächsten Blogbeitrag.

Doch zuerst schauen wir uns an, wie wir uns nach einer Akut-Phase auffangen und dem Teufelskreis entkommen können!

 

Bist Du bereit, aus der Stress-Falle hin zu mehr Ausgeglichenheit zu kommen?

 

Das ist die Schlüsselfrage. Denn sie impliziert den eigenen Willen. Wie immer und überall in der persönlichen Entwicklung steht und fällt ein neuer Prozess und Wandel mit dem Fakt, ob man das „Neue“ wirklich will.

Viele wollen unbewusst gar nicht.
Erzählen zwar davon, dass sie würden, wenn sie könnten. Aber sie ziehen es nie durch. Alles andere ist am eigenen Leiden schuld: der Besuch, die Kinder, die Mitarbeiter, der Partner, die Eltern etc.

Wenn man Ausreden finden möchte, wird man welche finden! Wer „Opfer“ bleiben möchte, wird es schaffen, seine Situation zu untermauern.

Nur wer die Veränderung wirklich will, hat die Basis für den neuen Weg. Und dann kommt der innere Plan und das Commitment**, wie man ihn umsetzt. Und dann das Tun. Und für das Tun und Umsetzen habe ich Ihnen einige Tipps zusammengefasst.

Auch hier nutze ich die Kraft des Bewusst-Werdens.

 

5 Schritte, sich nach einer Stressphase zu erholen:

  1. Am Anfang steht das „sich bewusst werden“: Es kann der Moment sein, wo Du Dich mit Herzrasen oder innerem Kribbeln dabei erwischst, nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Bedanke Dich bei Dir selbst, dass dies jetzt bewusst werden durfte! Nimm es an! Ohne es mit Emotionen zu bewerten. Es ist einfach. Und es ist ok.
  2. Atme zwei, dreimal tief ein- und aus. Atme genau in dieses Bewusst-werden hinein! Spüre die Dankbarkeit, dass „es“ Dir *bewusst* werden durfte. Und geniesse, was sich jetzt schon ändern darf.
  3. Dann entscheide, dass Du es Dir wert bist, diese wichtige Phase der Regeneration zu erleben. Werde Dir zudem *bewusst*, wie stark Du schon in einem Teufelskreis steckst, wie lange diese Phase schon andauert und ob es vielleicht noch einen übergeordneten Plan* braucht, um nach dieser Erholungsphase nicht wieder dasselbe negative Muster zu nähren. Alles ist gut – Du stellst dies nur fest. Ohne emotionale Bewertung. (Solltest Du Dich trotzdem dabei ertappen, dass Emotionen hochkommen, dann schalte bitte eine Phase dazwischen: Lass diese Gefühle zu! Möchtest Du am liebsten weinen? Dann weine einfach! Möchtest Du am liebsten toben? Dann tobe! Verschiebe oder verdränge es nicht. Genau dann, wenn es anklopft, soll es gelebt werden. Solange dabei keine Menschen oder Dinge geschädigt werden, ist es völlig okay.

Und wenn es vorbei ist, beginne wieder mit Punkt 2). Falls Du einen übergeordneten Plan* brauchst, entscheide Dich jetzt, wann Du diesen ausarbeiten möchtest (z. B. in einer ruhigen Stunde am Abend).

 

  1. Wichtig: Nur wenn Du Dich JETZT für eine Veränderung entscheidest, wird sie eintreten. Ansonsten merkst Du nicht, wie Du dem unbewussten und starken Drang Deiner alten Gewohnheiten nachkommst und schon wieder eine neue Aktivität aufnimmst und in die nächste Hyperaktivität gleitest!
  2. Weil Du Dich für DICH entschieden hast, bist Du immer noch am bewussten Ein- und Ausatmen. Gratuliere Dir dafür! Du tust das, weil Du es Dir WERT bist. Dazu gehört, dass Du Dir nun versprichst, die Regeneration durchzuziehen. Egal, was Dich davon abhalten möchte (Du musst mit allen „Tests“ rechnen! Nicht nur Deine unbewussten Muster, sondern auch Dein Umfeld wird Dich in den folgenden Tagen und Wochen herausfordern und möchte Dich wieder im alten „Trott“ haben!). Entscheide Dich JETZT, zu Dir zu stehen. Auch, NEIN zu sagen. Und falls jetzt gerade jemand ins Badezimmer möchte, während Du in der Badewanne bewusst atmest, beginne schon jetzt, Dich durchzusetzen. „Nein. Bitte lass mich einen Augenblick alleine, Danke!“

Je nachdem, was für ein Typ Du bist, geht es nun anders weiter:

Die sehr aktive Frau, die ihre Stressphase vor allem mit „Gehetze“ und „Terminstress“ („Herumrennen“) ausdrücken würde, darf sich jetzt langsam Zeit nehmen, um zu sich zu kommen.

Bitte mache keine körperlich aktiven Ausgleichstätigkeiten (wie Joggen, Fahrradfahren o. Ä.)! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Typ Mensch, der Stress durch Aktivitäten hat und Erholung auch mit Aktivität verbringen möchte, herzinfarktgefährdet ist. 

Entscheide Dich deshalb für eine „liebevolle Brückentätigkeit“. Etwas, das noch nicht vollkommene Ruhe ist, aber auch nicht hohe Aktivität. Zum Beispiel ein Spaziergang, ganz für Dich alleine.

(Lasse zu, dass Deine Gedanken fließen, und genieße Die die Kälte auf Deinem Gesicht und den Wind in Deinem Haar! Atme bewusst. Erlaube Dir, verschiedene Geh-Tempi auszuprobieren: einmal Schlendern, einmal zügig vorwärtsschreiten.)

Oder Dich in einem Vollbad mit einer Massagebürste langsam und sanft zu peelen und das Shampoo langsam ins Haar einzumassieren. Nimm Sinnlichkeit mit dazu! Und genieße.

Falls Du aber der Typ bist, der den Stress mehr über die Gedanken erlebt (was man noch alles tun müsste und „was denken die anderen“ oder „ich kann nicht mehr“, „es ist zu dunkel draußen“ und „ich habe keine Lust“) und der sich als melancholisch oder gar depressiv bezeichnen würde, würde Dir eine aktive Tätigkeit sehr gut tun.

Auch hier setze Dir die Ziele bitte nicht zu hoch: Es muss nicht sofort Joggen oder ein neues Fitness-Abo sein. Bilde auch Du eine Brücke! Auch hier kann ich den Spaziergang sehr empfehlen. Oder einige Yogaübungen auf dem Wohnzimmerboden (Anleitungen dazu gibt‘s auf Youtube zur Genüge).

Die Bewegung ist nicht nur für das niedergeschlagene Gemüt sehr heilsam, sondern erwiesenermaßen auch für die Figur und das Immunsystem essentiell wichtig.

Gib Dir viel Zeit, um in der Ruhe-Phase nach der Bewegung wieder bei Dir anzukommen.

Webinar zu diesem Thema: Montag, 21.12.2015 um 20 Uhr – hier geht’s zur Gästeliste!

 

Je länger die Akut-Phase gedauert hat und je öfter hintereinander Du eine solche „hingelegt“ hast, umso länger darf diese Ruhezeit nun dauern. Manchmal reicht 1 Stunde. Manchmal braucht es mehrere Tage.

Höre auf die Zeichen Deines Körpers! Wenn Du mitten am Tag Lust hast, Dich hinzulegen, dann tue es!

Du solltest erst dann wieder im Alltag mitmischen, wenn Du in dieser Phase spürst, dass Du wieder in Dir ruhst. Wenn Du eine Art Frieden spürst. Wenn Du wieder lächelst!

 

Und das wünsche ich Dir von Herzen: dass Du diesen Frieden spürst! – Es beginnt mit Deinem Willen dazu.

Weil Du es Dir wert bist. Und weil Du es kannst.

Herzlich,

Chantal Perrinjaquet

 

PS: Ich veranstalte am Montagabend, den 21.12.2015 um 20 Uhr ein kostenloses Webinar zu diesem Thema. Sei auch Du dabei, und stelle mir Deine Fragen dazu (unten in den Kommentaren)! Hier geht’s zur Anmeldung. Und falls Du zu dieser Zeit nicht frei bist, kriegst Du danach ein Replay zur Verfügung gestellt:

https://chantalperrinjaquet.leadpages.co/webinar-bewusstbeimir/

*Der übergeordnete Plan: Damit meine ich die präventive Handhabung des Alltags, damit Du erst gar nicht in solch einen Teufelskreis kommst. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag!

**Ein Commitment (= „Verpflichtung“) kann man sich selbst oder Zeugen gegenüber äußern. Wer die Kraft des Commitments nutzen möchte, setzt sich nicht unter Druck, sondern nimmt den positiven Stress, der dadurch entstehen kann, und kanalisiert ihn in eine motivierende und resultatorientierte Richtung.

Ein Commitment einer wohlwollenden Gruppe gegenüber ist unglaublich stärkend. Es sollten Zeugen sein, die einen verstehen und nicht vom neuen Ziel abhalten wollen. Meine neue Facebookgruppe {„Bewusst bei mir“} bietet ein solches Gefäß an. Committe Dich und die Gruppe hilft Dir, Deine Ziele zu erreichen!

Fotos: Fotolia.com